Dienstag, 31. März 2009

Geschichten von... überall, Teil 1

Tja, wie angedroht habe ich jetzt ein paar freie Tage, und werde zumindest versuchen den Besuch meiner Eltern und den damit verbundenen Urlaub einigermaßen aufzuarbeiten. Der altbekannte "Ein Bericht pro Urlaubstag"-Takt wird aber diesmal etwas gestrafft, bei zwei Wochen die es zu erzählen gilt würde ich sonst nie ein Ende finden. Ein weiterer Grund: Durch einen mysteriösen Fehler, den ich nicht ganz nachvollziehen kann, sind nur ein Teil der Bilder meines Vaters auf meinem Computer angekommen, so dass es von den ersten Tagen leider nichts zum vorzeigen gibt. Macht aber nichts, schließlich werde ich ja oft genug für meine bildreiche Sprache gelobt(ähem).

Nun aber zum Kern, der Sache... um gleich darauf wieder abzuschweifen. Der Tag (bzw. die Nacht) in der ich mich zum Flughafen aufmachte, war auch gleichzeitig der Zeitpunkt, sich von Cornelia mitsamt Anhang zu verabschieden. Auch wenn ich es schon persönlich gesagt habe, an dieser Stelle soll es nochmal erwähnt werden: Ich habe mich sehr über den Besuch gefreut, es war eine schöne Zeit, und ich freue mich auf das Wiedersehen! Und insbesondere von Cornelia kann ich sagen, dass sie die Messlatte für künftige Mitbewohner sehr hoch gelegt hat :)

Jetzt aber wirklich: Nach dem problemlosen Abholen vom Flughafen und Highspeed-Train-Fahrt nach Tai Nan war der erste Tag erwartungsgemäß eher ruhig. Außer ein bisschen Herumlaufen, Uni und nähere Umgebung anschauen und sich Kulturschocken lassen war nicht viel drin, aber das musste angesichts von Jetlag und ungewohnter Hitze wohl auch nicht sein ;) Am zweiten Tag wurde dann der reservierte Mitwagen in Beschlag genommen, der zum Glück tatsächlich bereit stand, d.h. ich habe es wirklich hinbekommen :) Der war auch ideal geeignet, um die diversen Sehenswürdigkeiten in Tai Nan abzugrasen, u.a. einige Tempel, Fort Zeelandia, und natürlich zu guter Letzt den Strand mitsamt Sonnenuntergang. Dort gab es übrigens auch eine weitere Kostprobe taiwanischer Gastfreundschaft, denn wir wurden eingeladen, an den offensichtlich im Sand vergrabenen und dadurch hartgekochten Eiern mitzuessen, die gerade ausgebuddelt wurden als wir da waren. Ja, es ist hier heiß genug, damit man das machen kann :)

Das war aber natürlich nur ein Vorgeschmack auf die nächsten, heißen, interessanten Tage. Davon mehr im nächsten Teil, und vielleicht dann auch ein paar Bilder, mal schauen.

Sonntag, 29. März 2009

Leute, holt die Kalender raus!

Nein, nicht um nachzurechnen, wieviele Tage ich schon wieder nix geschrieben habe, die Antwort darauf kenne ich ("zu viele"). Vielmehr habe ich eine Ankündigung zu machen, die vielleicht Teile des Publikums interessieren könnte, aber dazu später mehr.

Zunächst mal ein paar Gründe für die lange Funkstille: Erstens, meine Eltern waren da, knapp zwei Wochen, und sie werden mir zweifelsohne zustimmen, dass das zwar schön, aber auch ziemlich kraft- und zeitraubend war. Zweitens: Der Unterricht hat wieder angefangen, d.h. die Tage sind jetzt wieder ein bisschen mehr mit Arbeit gefüllt. Drittens: Ich hatte einige private Dinge auf die Reihe zu kriegen, die einfach wichtiger sind als dies hier, aber ich denke ich habe es hinbekommen.

Zu den Erlebnissen mit meinen Eltern werde ich noch Berichte nachreichen, in welcher Länge und Ausführlichkeit wird man dann sehen, aber es gibt mehr als genug zu erzählen, da darf man sicher sein. Nur noch nicht jetzt, anfangen damit werde ich wohl nächste Woche, wenn ich etwas mehr Ruhe habe.

Das ist nämlich auch die erste gute Nachricht von der Schulseite: Es sind Frühlingsferien (oder besser gesagt "Spring Break"), so dass man sich eine Woche nachdem es losging schon wieder von dem ganzen Stress erholen kann. Wobei "Stress" wieder relativ ist, bis jetzt sieht alles sehr gut aus. Meine neue Lehrerin ist nett, wenn auch unglaublich jung und noch ein bisschen scherzresistent, und meine Klasse ist nach den Abgängen von Taizi, Olivia (nach Hause) und Bridget (in eine andere Klasse) jetzt noch kleiner, sie wurde nur ergänzt durch einen jungen Mann aus der Mongolei, was zu der interessanten Konstellation führt, dass die Männer erstmals in der Überzahl sind. Yeah! Unser Neuzugang passt übrigens auch so ganz gut ins Bild, weil er die Sache mit dem Chinesischlernen nicht so schrecklich ernst nimmt (sonst würde er das Handy während des Unterrichts sicher auch mal weglegen). An dieser Front also alles in Butter, an den Zusatzkursen hat sich im Vergleich zu vorher auch nicht viel getan, insofern ruhiges Fahrwasser bis jetzt. Apropos Fahrwasser: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es zum Drachenbootfestival im Mai auch eine Schulmannschaft geben wird, mal gucken ob ich da irgendwie mit an Bord kann, könnte ganz lustig werden.

Nun aber genug der Wortspielereien, stattdessen zu dem, was ich schon anfangs angekündigt hatte: Ich komme nach Deutschland! Das Flugticket ist gebucht, die organisatorischen Steine sind aus dem Weg, am 8. Juni gegen Mittag werde ich wieder in der alten Heimat aufschlagen. Die Gründe dafür werde ich zwar (noch) nicht offenbaren, aber es sind gute Gründe, soviel steht fest, und die Tourplanung umfasst derzeit die Stationen Düsseldorf, Duderstadt und Saarbrücken. Der Rückflugtag steht zwar noch nicht fest, aber ich denke mal ich werde gut eine Woche in und um Düsseldorf verbringen, also falls jemand es gar nicht erwarten kann, mich braungebrannt, bärtig und Chinesisch-vor-mich-hin-brabbelnd wiederzusehen, bitte Bescheid sagen, da lässt sich bestimmt was machen :)

Übrigens, nach wie vor gilt, dass ich danach noch bis Mitte/Ende September in Taiwan bleibe, auch dafür gibt es mehr als einen guten Grund... aber alles zu seiner Zeit.

Samstag, 7. März 2009

Road Rage

Und es kam so, dass ich (in Absprache mit meinen Eltern) eine Autovermietung aufsuchte, um für die Zeit ihres Besuchs einen fahrbaren Untersatz zu mieten. Das war auch zunächst kein Problem, schließlich hatte ich ja einen internationalen Führerschein, eine Alien Resident Card und dazu noch ein bisschen Geld. Allerdings stieß den Herrschaften sauer auf, dass mein deutscher Führerschein nicht beim taiwanischen Straßenverkehrsamt eingetragen ist, so könne man mir legal kein Auto vermieten.

Schön. Also bin ich dann mit einer völlig falschen Adresse losgefahren, um das Straßenverkehrsamt zu suchen, die Straßenkreuzung die mir genannt wurde gibt es nämlich gar nicht weil die beiden Straßen sich nicht kreuzen. Sehr schön. Wenigstens konnte ich dann einen hilfsbereiten Polizisten fragen, wo ich das Ding finde, und der hatte die richtige Adresse im Kopf, die mit der mir genannten wenig zu tun hatte.

Nachdem ich dann endlich angekommen war, wurde mir im Wesentlichen gesagt, dass ich meinen Führerschein nicht registrieren lassen kann, weil ich schon zu lange im Land bin. Nach einem halben Jahr ist es offensichtlich zu spät, den Lappen registrieren zu lassen, die einzige Möglichkeit wäre einen normalen taiwanischen Führerschein zu machen. Mir wurde auch angeboten, sowohl die praktische als auch die theoretische Prüfung sofort(!) abzulegen, aber da habe ich erstmal dankend abgelehnt. Mein Einwand dass ich im Übrigen einen Roller besitze, der legal auf meinen Namen und Führerschein zugelassen ist (kann ich auch beweisen!) schien nichts zu helfen, offenbar sind da bürokratische Kräfte am Werk die ich nicht verstehe.

Jedenfalls bin ich dann zur Autovermietung zurückgekehrt, um mitzuteilen dass ich den gewünschten Wisch leider nicht kriegen werde. Nach ein paar Sekunden abwägen zwischen "eigentlich ist das nicht ganz legal" und "eigentlich wollen wir Geld verdienen" konnte ich dann, Überraschung, auf einmal doch ein Auto mieten. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ich vorsichtig und nicht zu schnell fahre und Ärger vermeide, ganz im Ernst. Nachdem ich darauf mein großes Indianerehrenwort gegeben habe war die Sache unter Dach und Fach, und ich möchte diesen Sinneswandel einfach mal meinem Ausländercharme zuschreiben, bei aller Bescheidenheit ;)

Übrigens, die ganze Geschichte auf Chinesisch zu erledigen war schon ein nettes Gefühl, auch wenn so elementare Vokabeln wie "Führerschein" noch nicht zu meinem Wortschatz gehören. Aber dafür hat man ja Hände und Füße.

Dienstag, 3. März 2009

Tempora mutantur et nos mutamur in illis

Nein, ich kann kein Latein, gebe ich auch ganz offen zu. Der Titel ist aber zum einen eine Hommage (französisch kann ich übrigens auch nicht) an meinen geliebten Bruder, zum anderen trifft er die Sache ganz gut, denn die Zeiten ändern sich, mal wieder.

Zunächst mal ist das Semester schon wieder zuende, was natürlich auch Abschlussprüfungen mit sich gebracht hat. Mit 92% im Schriftlichen und 85% im Mündlichen habe ich dabei grob an die Leistungen aus dem Vorjahr angeknüpft, womit ich auch zufrieden bin. Traurig stimmt dabei aber die Tatsache, dass das Korrigieren der Abschlussklausur die letzte Amtshandlung unserer äußerst entzückenden Lehrerin war, die nach diesem Semester selbst auf die harte Schulbank zurückkehrt um endlich ihren Abschluss in Chinesischer Literatur fertigzukriegen. Da sie ziemlich nahe am Wasser gebaut ist flossen so ein paar Abschiedstränen, genauso wie ein paar Tage zuvor Freudentränen, als wir ihr den Überraschungs-Geburtstags-Kuchen überreicht hatten. Sie wird uns fehlen, wobei mit "uns" folgende Menschen gemeint sind:



Die meisten davon sollte man noch vom letzten Klassenfoto kennen, die neu hinzugekommene Dame rechts ist Olivia, die für dieses Semester da war und nun auch schon wieder weg ist. Man verzeihe mir übrigens den leicht dümmlichen Gesichtsausdruck, ich musste gerade ein Lachen unterdrücken... dafür sieht An Lu ja umso nachdenklicher aus.

Ansonsten habe ich nun Ferien, was ich zum einen nutze um Tagebucheinträge zu machen(Ha!), zum anderen wird noch etwas herumgereist werden, aber erst wenn meine Eltern da sind. Die gute Cornelia ist mir da, wie angekündigt, zuvorgekommen, ihre Familie ist gut angekommen und inzwischen sind alle fleißig am Erkunden des Landes. Das gibt mir übrigens auch einen Vorgeschmack darauf, dass Cornelia bald schon wieder auszieht, was ein bisschen schade ist, fühle ich mich doch als wäre sie gerade hier eingetroffen. Aber kein Grund zur Sorge, man sieht sich ja in nicht allzu ferner Zukunft wieder, und ich werde auch damit klarkommen (zumindest für eine kleine Weile) wieder alleine zu wohnen.

Um dem zweiten Teil des Titels auch gerecht zu werden, jap, ich ändere ich mich auch, langsam aber sicher. So nehme ich inzwischen zusammen mit ein paar anderen die Gelegenheit war, von einem unserer Lehrer privat etwas Tai Chi beigebracht zu bekommen (wir werden zu erbarmungslosen Kämpfern ausgebildet, haha!), außerdem führt mich der Weg nun hin und wieder ins Fitnessstudio, um zusammen mit dem guten Udayan etwas gezielter an meiner Form zu arbeiten. Danke an dieser Stelle für das ausgefuchste Trainingsprogramm und den einen oder anderen motivationsfördernden Spruch :)

Der Ursprung des Ganzen liegt aber in der Erkenntnis, dass mich nichts davon abhält der Mensch zu sein, der ich sein will, außer ich selbst. Der Dank für diese Erkenntnis gebührt der wunderbaren Charlotte, mit der mich dank der einen oder anderen Stunde am Telefon inzwischen eine Freundschaft verbindet, die mich immer wieder aufs Neue verblüfft, denn sie ist nach unserer räumlichen Trennung nicht schwächer, sondern immer nur stärker geworden. Nicht normal, oder? Aber wir beide sind ja auch alles andere als normal.