Mittwoch, 29. Oktober 2008

Eigenlob und andere Dinge

Ein kurzes Update nur an dieser Stelle, mit zwei, drei kleineren Ereignissen von Interesse:

1. Die Klausur ist bestanden, mit 96.5% der möglichen Punkte. Anscheinend ist trotz aller privaten Nebengeräusche doch mehr Chinesisch hängengeblieben, als ich selber gedacht hätte. Das ist auch ganz gut so, denn das heißt ich kann mein Stipendium behalten, das heißt ich kann hier weiter meinen notdürftig getarnten Langzeiturlaub verbringen. Das Infomaterial für das verpasste Stipendiaten-Seminar am gleichen Tag wurde mir auch zugespielt, da lohnt sich der gute Draht zu den Sekretärinnen... alles in Butter also.

2. Das Turnier in Kaohsiung rückt näher, die Spannung beim Training ist deutlich spürbar. Zum Beispiel in meiner linken Wade, die heute wieder einen Tritt abbekommen hat, aber das wird schon. Zumindest konnte ich durchspielen heute, anders als Mamun (Bangladesch), Euston (Südafrika) und Andy (England), die allesamt mit mehr oder weniger schweren Verletzungen raus mussten. Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, wenn wir aufhören uns selber zu dezimieren. Muss ich mal vorschlagen.

3. Nachdem ich dem beharrlichen Bitten nachgekommen bin, fungiere ich jetzt nebenbei auch noch als Quasi-Nachhilfelehrer für eine entzückende Deutschstudentin, wobei mir aber auffällt, dass "Deutsch sprechen" nicht das gleiche ist wie "Deutsch erklären können". Ich muss wohl mal meine Grammatikkenntnisse auffrischen, aber das wird schon noch. Eine Chinesin "Mecklenburg-Vorpommern" sagen zu hören ist jedenfalls jetzt schon der Mühe wert ;)

4. Oh, und nur zur Vorwarnung, falls irgendwann mal ein Bild von mir auftaucht: Ich lasse meinen Bart jetzt mal experimentellerweise wachsen. Die Reaktionen der (weiblichen) Umfrageteilnehmer reichen zwar von "schrecklich" bis "unbedingt dranlassen", aber ich mag es. Vielleicht, weil ich Rasieren ohnehin immer gehasst habe. Schaun mer mal, was dabei rauskommt.

Freitag, 24. Oktober 2008

Mögest du in interessanten Zeiten leben

Zunächst mal muss ich um Entschuldigung bitten, die Zeit in der ich nichts von mir habe hören lassen ist inzwischen schon unanständig lang. Nichtsdestotrotz gibt es dafür gute Gründe, und an dieser Stelle schicke ich auch eine Warnung vorweg: Dieser Eintrag wird erstens ziemlich länglich, zweitens (teilweise) etwas persönlicher als die vorherigen. Sensible Naturen mögen das verzeihen, aber das muss jetzt einfach mal sein.

Frei von der Leber weg: Der Grund, warum ich wenig auf die Reihe kriege derzeit, ist ein bestimmter Mensch (okay, okay, eine bestimmte FRAU, ist ja gut). Im Wesentlichen verbringen wir in den letzten zwei Wochen jede freie Minute zusammen, und während so manch einer jetzt ausrufen mag "Ich habs dir ja gleich gesagt, dass du dir da eine abschleppst!" möchte ich auf jeden Fall festhalten, dass die Sache wesentlich komplizierter und vielschichtiger ist, als ich sie hier darstellen könnte. Wie wir beide treffend festgestellt haben, reicht das, was wir in zwei Wochen an Höhen und Tiefen erlebt haben, anderen Leuten für zwei Jahre, aber diese Geschichten werden an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit erzählt werden. Wir haben uns klargemacht, dass wir keine feste Beziehung führen möchten, aber im Moment ist es gut, so wie es ist, ich würde es gar nicht anders wollen. Denn wenn man jemanden trifft, der einem dermaßen den Spiegel vorhält, und dem man selber den Spiegel vorhalten darf, dann sollte man das genießen und zu schätzen wissen, solange es dauert.

Puh, hat doch gar nicht weh getan. Nachdem ich jetzt mein Innerstes offenbart habe (was ich viel öfter tun sollte, übrigens), komme ich jetzt mal wieder zu etwas bodenständigeren Dingen zurück.

Studieren tue ich auch noch, soviel Pflichtbewusstsein habe ich dann doch, und heute stand die große Zwischenprüfung auf dem Programm. Abgesehen von meiner immer noch katastrophalen Aussprache ist es auch ganz gut gelaufen denke ich, Ergebnisse gibt es wohl nächste Woche, aber ich bin wie immer zuversichtlich. Das Stipendium ist inzwischen auch da, wo es hingehört (erst auf meinem Konto, dann in den Kassen der örtlichen Fressbuden), und weil ich dem charmanten Bitten meiner Lieblingssekretärin erlegen bin kommt noch ein besonderes Highlight auf mich zu: Zusammen mit ein paar anderen "Freiwilligen" darf ich das Sprachzentrum beim Uni-Sport-Tag (11.11.) repräsentieren. Keine Ahnung, wie das ablaufen wird, aber hey, ich kriege dafür ein Gratis-T-Shirt! Wenn das mal keine Motivation ist.

Wo ich schon beim Thema Sport bin, mache ich da direkt weiter: Zu meiner eigenen Überraschung mache ich mich bei meinem bescheidenen Unterfangen, hier ein bisschen Fußball zu spielen, gar nicht so schlecht. Inzwischen habe ich mich als ernsthafte Alternative auf der linken Verteidigerposition(!) etabliert, wobei vor allem meine Laufstärke(!!) gelobt wird, vor ein paar Wochen sah das konditionsbedingt noch ein bisschen anders aus. Jedenfalls stand ich bei den letzten zwei Partien in der Startelf, und nicht ohne Stolz stelle ich fest, dass es beim Auswärtsspiel in Yongkang letztes Wochenende zum Zeitpunkt meiner Auswechslung 2:0 für uns stand. Endstand: 3:3.

Noch mehr Neuigkeiten (ich weiß, es ist viel, sorry): Der DAAD hat mir wie aus heiterem Himmel die Gelegenheit eröffnet, im März nächsten Jahres evtl. auf eine Forschungskonferenz in Macau bzw. Hongkong zu fahren, wo ich meine Masterarbeit und den Kram, den ich inoffiziell schon für meine Doktorarbeit mache, vorstellen könnte. Ich muss zwar abwarten, ob das von mir eingereichte Gedöns angenommen wird, aber versuchen kann mans ja. Ich wäre jedenfalls nicht abgeneigt.

Und nun, als kleine Belohnung für all jene, die sich durch den endlosen Text gekämpft haben: Bilder! Ok, es ist zwar nur meine Aussicht bei Nacht, aber immerhin.





Wie komme ich da jetzt drauf? Nun, wie sich herausgestellt hat ist mein Dach von Temperatur und Atmosphäre her genau das richtige fürs abendliche Tai Chi. Das mache ich, wie man sich denken kann, natürlich nicht alleine, womit wieder der Bogen zum Anfang dieses Eintrags gespannt ist. Es sind wahrlich interessante Zeiten.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Zwischenbilanz

Fast eine Woche wieder nichts geschrieben, und es gibt auch keinen wirklichen Anlass, außer dass ich nunmehr ziemlich genau zwei Monate hier bin. Warum ist das von Bedeutung? Nun, Teile des Publikums werden sich daran erinnern, dass mein erster Aufenthalt hier im Jahre des Herrn 2006 nach zwei Monaten endete, und mein Herz war schwer als ich damals wieder nach Hause musste.

Die zwei Monate jetzt sind (gefühlt) an mir vorbeigerast wie im Schnelldurchlauf, ich habe einiges gesehen, einiges erlebt (wenig Schlechtes, extrem viel Gutes), ich habe Menschen kennengelernt, die ich nicht mehr missen möchte, und zu all dem spielt der Müllwagen sein Lied, so auch gerade jetzt. Das Zeit hier ist gut, sie tut mir gut, und ich bin froh, dass ein großer Teil des Weges noch vor mir liegt. Im Moment wollte ich nirgendwo anders sein.

Aber genug von der Gefühlsduselei, ein paar echte Neuigkeiten habe ich auch. Nachdem ich wochenlang gerätselt hatte, wo denn eigentlich der taiwanische Teil meines Stipendiums versickert ist (auf meinem Konto jedenfalls nicht), stellte sich diese Woche heraus, dass ich noch ein Formular zu unterschreiben hatte. Erfahren habe ich davon mehr durch Zufall, aber heute wurde mir glaubhaft versichert, dass die Kohle morgen da ist. Schaun mer mal. Sorgen mach ich mir darüber, wie über so vieles andere auch, natürlich nicht.

Freitag, 10. Oktober 2008

Schon wieder Feiertag

Nachdem ich letzte Woche feiertagstechnisch das Nachsehen hatte, habe ich heute die Oberhand: Einen fröhlichen Doppel-Zehn-Tag wünsche ich! Das ist der Nationalfeiertag von Taiwan (oder besser gesagt der Republik China), und gefeiert wird heute der Aufstand von Wuchang am 10.10.1911, der zum Fall der Qing-Dynastie und letztlich zur Gründung der Republik am 01.01.1912 führte. Das ist dann noch mal ein eigener Feiertag, der halt zufälligerweise mit Neujahr zusammenfällt :)

Was mache ich an diesem besonderen Tag? Nun, nicht viel. Ein bisschen Aufräumen (mal wieder bitter nötig), ein bisschen Lernen, ein bisschen am Paper für "meinen" Professor in Düsseldorf weiterschreiben... alles wenig aufregend, aber das ein oder andere Bierchen in den Abendstunden wird wohl auch noch drin sein, das wurde mir schon von verschiedener Seite ans Herz gelegt ;)

Ansonsten entwickelt sich alles außerordentlich positiv, vor allem natürlich die außeruniversitären Aktivitäten. Wenn man dem neuesten Aushang glauben kann gibt es am 01.11. die nächste "Klassenfahrt", bei der u.a. Paintball(!!!) auf dem Programm steht, so dass ich meine eingerosteten Schusswaffen-Fertigkeiten mal wieder auspacken darf, und das von mir vor ein paar Wochen zart angedeutete Fußballturnier wurde inzwischen auch terminiert, und zwar auf das Wochenende 08./09.11., bei unseren lieben Freunden aus Kaohsiung. Nein, halt, bei der unsympathischen Tretertruppe aus Kaohsiung meine ich natürlich...

Dienstag, 7. Oktober 2008

So blöd muss man erstmal sein

Und es begab sich, dass ich gestern nacht gegen 3:00 von einem höllischen Gewitter geweckt wurde und dachte: Gut, dass ich im Trockenen bin. Ein paar Sekunden später dachte ich: Schlecht, dass meine Wäsche wie üblich über Nacht auf der Terrasse hängt, zum Trocknen. Der grandiose Einfall, meine (zu diesem Zeitpunkt bereits durchgeregnete) Wäsche ins Trockene zu bringen führte eigentlich nur dazu, dass ich dann auch durchgeregnet war. Hätte ich die Wäsche einfach hängenlassen wäre nichts passiert, so war ich ob der nächtlichen kalten (bzw. lauwarmen, wir sind in Taiwan) Dusche grellwach und konnte den Rest der Nacht was das Schlafen angeht abschreiben. Das war keine Glanzleistung.

Es geht aber noch dümmer. Als stolzer Stipendiat des taiwanischen Bildungsministeriums wurde ich von meinem Sprachzentrum zu einem Informationsseminar eingeladen, wie schön. Unschön: Es findet exakt zum selben Zeitpunkt statt wie meine Mid-Term-Klausur, die ich nicht verpassen, geschweige denn nachholen darf wenn ich sie illegalerweise doch verpassen sollte. Damit lasse ich das Seminar, möglicherweise wertvolle Infos und mögliches Gratis-Essen sausen, weil die da im Büro entweder keine Kalender haben, oder die Verwaltungs-Menschen nicht in der Lage sind mal mit dem Lehrkörper zu klären, was eigentlich läuft bei den Studenten. Schade.

Ach ja, noch was: Nachdem ich mich aufgerafft habe, eine Zeile HTML zu editieren, ist Kims Blog jetzt auch permanent verlinkt (siehe rechts). Einer ihrer letzten Einträge liefert auch heißersehntes Bildmaterial von mir, ihrem "sehr deutschen Freund" (ist das gut oder schlecht?), wenn auch nur von hinten. Das Ganze stammt von unserem Ausflug zu einer Tempel- bzw. Klosteranlage hier in Tainan, ab und zu muss man ja auch mal vom Lernen abschalten...

Montag, 6. Oktober 2008

Derbystimmung!

Nachdem sich die Planung über Wochen hingezogen hatte und u.a. der Taifun dazwischenkam war es am Samstagabend endlich soweit: Tom, ein feiner und lustiger Kerl, und darüber hinaus langgedienter Spieler von Tainan Phoenix, bekam sein wohlverdientes Abschiedsspiel. Zumindest wurde mir gesagt, dass es wohlverdient ist, ich kenne ihn ja erst seit ein paar Wochen, aber diese besondere Ehre wird offensichtlich nicht jedem zu Teil. Nach jahrelanger Arbeit als Englischlehrer in Tainan kehrt der Arme nun in seine englische Heimat zurück, um als "richtiger" Lehrer zu arbeiten. Seine Begeisterung darüber hält sich verständlicherweise in engen Grenzen.

Nichtsdestotrotz wurden zu diesem speziellen Anlass auch spezielle Maßnahmen ergriffen: Zum einen wurde der Platz im Tainan Sports Park mitsamt Flutlicht angemietet (auch wenn das angesichts von ca. 30 Zuschauern vielleicht etwas übertrieben war), zum anderen wurden die Kaohsiung Pacers, der verhasste Lokalrivale, als Opfer bzw. Gegner eingeladen. Worauf es dann letztlich hinauslief war ein Mini-Turnier mit der ersten und zweiten Mannschaft von Phoenix (rot bzw. weiß) und den Pacers (schwarz, mit chinesischen Rückennummern!), aber trotz der Ankündigung, dass "Bier-in-der-Hand"-Fußball gespielt wird ging es doch erstaunlich zur Sache, Derby bleibt halt Derby. Daher an dieser Stelle gute Besserung an den Spieler aus Kaohsiung, der mit klaffender Platzwunde ausgewechselt wurde...

Hier nun noch ein paar Bilderchen, allein schon um zu unterstreichen, dass das hier nichts, aber auch gar nichts mit professionellem Sport zu tun hat ;) Ein weiteres Indiz dafür ist übrigens, dass der genaue Ausgang des Turniers am Ende auch nicht mehr zu ermitteln war...









Freitag, 3. Oktober 2008

Einigkeit und Recht und Freiheit

Einen frohen Feiertag wünsche ich allen Daheimgebliebenen! Hier war heute natürlich normaler Betrieb angesagt, nichtsdestotrotz habe ich heute vielleicht eine Minute mehr als sonst an die Heimat gedacht... und die patriotische Gunst der Stunde genutzt, mir mal zur Abwechslung etwas Brot zu besorgen, und zwar in der hiesigen "deutschen" Bäckerei. Das Brot ist zwar qualitativ Lichtjahre von anständigem, deutschem Brot entfernt, aber wenigstens kann ich jetzt die Marmelade irgendwo draufschmieren, die mir letztes Wochenende "vererbt" wurde. Danke nochmal, Martina!

Ansonsten gibt es aber keinen Grund zum Trübsal blasen. Erstens ist hier nächste Woche auch Feiertag (10.10.), zweitens bekomme ich das Lernen immer besser in den Griff, und drittens steht morgen hoffentlich noch ein besonderes Highlight auf dem Programm, über das ich mehr berichten werde, falls es sich tatsächlich als Highlight erweisen sollte ;)

Ansonsten noch zwei Hinweise an den Teil des Publikums, der des Englischen mächtig ist: Erstens, da das sogenannte "studiVZ" international keine Rolle spielt, wurde ich genötigt mein scheintotes facebook-Profil endlich mal auf Vordermann zu bringen. Wer mag, kann mich dort suchen, finden, und mehr oder weniger interessante Dinge über mich erfahren. Zweitens, meine Kommilitonin/Klassenkameradin/Wasauchimmer Kim führt ebenfalls ein Blog. Das ist tendenziell weniger textlastig, schließlich ist sie professionelle Fotografin, dementsprechend ist auch die Qualität der Bilder etwas höher. Kann man sich mal anschauen, wenn man zuviel Zeit hat.