Montag, 29. September 2008

Katastrophenstimmung

Was für ein Wochenende... Am Freitag ging es noch gemütlich los, der Ausflug ins Literaturmuseum und diverse Tempel mit der ganzen Sprachschul-Meute war schon sehr lustig, ebenso wie das gemeinsame Abendessen danach. Der inoffizielle Teil der Veranstaltung wurde dann (vor allem auf Betreiben der Südamerika-Fraktion) in einer Kneipe fortgesetzt, davon hab ich mich aber relativ zeitig verabschiedet, dank meines ausgeprägten Pflichtbewusstseins.

Ebenfalls am Freitag hatte mir Prof. Kao nämlich mitgeteilt, dass ich zum DAAD-Meeting in Taipei nicht nur herzlich eingeladen war, sondern doch am besten gleich noch einen Vortrag über meine Erfahrungen halten sollte, wovon vorher nie die Rede war. Also habe ich den Samstagvormittag mit dem zusammenschustern einer Präsentation verbracht, um mich dann anschließend auf den Weg in die Hauptstadt zu machen, wo mich schonmal heftigster Regen empfing. Da hätte man es schon ahnen können...

Am Sonntag ging nämlich gar nix mehr, der stärkste Taifun der Saison bislang (siehe z.B. hier) setzte Straßen unter Wasser, zerfledderte Bäume und Gebäude und machte das Leben allgemein sehr unangenehm, teilweise waren sogar die 7-11s zu! Das Meeting fand natürlich trotzdem statt, und glücklicherweise war die Zeitplanung so schlecht, dass meine eigene Präsentation ausfiel... Schwein gehabt, kann ich da nur sagen, für alle Beteiligten.

Nach dem anschließenden Abendessen flog dann ein Teil der Taiwan Summer Institute-Leute nach Hause (das Prozedere kannte ich ja schon), und trotz Taifun ist der Flieger inzwischen sicher in Frankfurt angekommen, zum Glück. Ich wäre auch gern noch am Sonntag nach Hause gefahren, aber alle Züge und Busse nach Tainan (oder sonstwohin) fielen witterungsbedingt aus, so dass ich dann unfreiwillig eine weitere Nacht in einem Hostel in Taipei verbringen durfte... wenigstens war ich in vorzüglicher Gesellschaft einiger weiterer TSIP-Leute, die noch ein bisschen im Lande bleiben, so wars zumindest nicht langweilig.

Montag (heute) habe ich dann endlich einen Bus nach Tainan bekommen, nachdem sich die Wetterlage ein bisschen stabilisiert hat, und glücklicherweise hatte die Uni heute auch Taifun-frei, so dass ich nichts verpasst habe... morgen geht der Betrieb dann wohl normal weiter, und das kann ich auch ganz gut brauchen. Noch ein paar von solchen Wochenenden, und ich bin reif fürs Sanatorium.

Donnerstag, 25. September 2008

Geschüttelt, nicht gerührt

Live aus dem Krisengebiet: Gerade sitz ich noch so auf dem Sofa und lerne (was denn sonst?), da überkommt mich ein komischer Gedanke: Hat sich das Sofa gerade bewegt? Ja, hat es, und mit ihm das ganze Gebäude, für ein paar Sekunden zumindest. Laut Central Weather Bureau (Earthquakes -> Earthquake Report) war es nicht das erste Erdbeben in der Stadt heute, die anderen hab ich irgendwie nicht zur Kenntnis genommen... komisch. Aber 4 auf der Richterskala ist ja noch kein Grund zur Sorge, oder?

Mittwoch, 24. September 2008

Telekolleg Chinesisch

Die Tage ziehen ins Land, und ich bin doch ein bisschen überrascht. Ich dachte mir schon, dass es schwer wird, aber das Tempo ist schon wahnwitzig, und diese Meinung habe ich nicht exklusiv. Wenn man z.B. innerhalb eines Tages ca. 30 Zeichen lernen soll (nicht nur Lesen, auch Schreiben), weil es am nächsten Tag einen Test gibt, ist das schon hart an der Grenze des Machbaren, zumindest wenn man auch mal Essen oder Schlafen will ;) Aber immerhin bin ich in der glücklichen Situation, beim derzeit ganz guten Wetter meine Dachterrasse zum Erledigen der Hausaufgaben nutzen zu können...





Positiv ist natürlich, dass der straffe Stundenplan einem konstante Erfolgserlebnisse bietet. Es hört sich nicht spektakulär an, aber wenn man hin und wieder ein Schild lesen kann oder (zumindest teilweise) versteht, worüber Leute auf der Straße sprechen, ist das schon eine feine Sache, die der Motivation äußerst zuträglich ist. Um auch andere Leute ein bisschen an meinen simplen Freuden teilhaben zu lassen (und um gleichzeitig meine Schwierigkeiten zu illustrieren) mal zwei kleine Beispiele:



Einfach, oder? Dieses Zeichen ("ren") ist eines der ersten, das man lernt, bedeutet "Person" bzw. "Mensch" und besteht aus nur zwei Strichen.



Dieses Zeichen befindet sich mit 25 Strichen offensichtlich am anderen Ende des Schwierigkeits-Spektrums, ist aber auch eines der ersten, das man lernt. Warum? Nun, dies ist das "wan" in "tai wan", sollte man also kennen ;) Die Schwierigkeit beim Zeichnen ist übrigens kontrollierbar, wenn man rekursiv an die Sache herangeht. Dieses Zeichen besteht z.B. aus 5 "Einzelteilen", die jedes für sich mehr oder weniger sinntragend sind, und vor allem nicht so schwierig zu zeichnen. Wenn man die Teile vorher gelernt hat, muss man "nur" wissen, in welcher Reihenfolge und Anordnung die Teile zusammengehören. Alles also ganz einfach :D

Nach diesem kleinem Exkurs in das, was meine Gehirnwindungen derzeit beschäftigt, nun noch wieder ein paar bodenständigere Informationen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich am Wochenende nach Taipei fahre, ist momentan hoch (der DAAD zeigte sich von meiner Anwesenheit zumindest nicht abgeneigt), aber vorher steht am Freitag erstmal die erste Klassenfahrt an, mit Tempel- und Museumstour in Tainan. Die Uni ist offensichtlich darum bemüht, uns mit aller Macht vom Lernen abzuhalten...

Dienstag, 16. September 2008

Arbeit macht das Leben süß

Lange war es still um mich, doch nun da das Wochenende endlich da ist bleibt mir wieder ein bisschen Zeit, um die Gedanken zu ordnen. Also: Die erste Woche Unterricht habe ich ohne größere Schäden überstanden, und es lässt sich jetzt schon absehen, dass mir nicht langweilig werden wird. Neben meinen 10 Stunden "Kernunterricht" habe ich im Wesentlichen alle Anfänger-Wahlpflichtkurse belegt, die ich kriegen konnte, womit insgesamt noch 6 Stunden dazukommen, in denen ich Aussprache, Konversation und Zeichen übe, alles auch mit Hausaufgaben und ständigen Tests, so dass ich im Wesentlichen pausenlos beschäftigt bin :) Die Lehrerinnen sind aber allesamt extrem nett, insbesondere meine Klassenlehrerin, die eine blutige Anfängerin ist und in der ersten Stunde vor Nervosität ungefähr 20 mal diverse Gegenstände fallengelassen oder umgeworfen hat... aber das wird schon noch.

Äußerst nett sind auch meine Klassenkameraden (oder Kommilitonen?), wobei allerdings die Frauen ganz klar in der Überzahl sind (8 zu 3), stören tut mich das natürlich nicht wirklich ;) Die Zusammensetzung nach Nationalitäten: Zweimal Japan, zweimal USA, je einmal Polen, Philippinen, Südkorea, Bolivien, Panama und Estland. Bunt gemischt könnte man sagen.

Das heimliche Highlight der Woche könnte aber der Tai Chi-Kurs werden, den ich mir quasi als Ausgleich gönne. Diese Woche haben wir zwar ganz langsam angefangen, aber der Lehrer hat versprochen, dass wir später auch lernen wie man effektiv Leute veprüge... äh, Angreifer abwehrt, meine ich. Zumindest denke ich, dass er das gesagt hat, er spricht nämlich kein Wort Englisch und ließ sich von einer fortgeschrittenen Studentin dolmetschen, die sich aber auch nicht so ganz sicher war was er meint :)

Ansonsten tun sich nebenbei noch einige interessante Dinge. Zum einen versuche ich gerade zu bewerkstelligen, dass ich (in meiner Funktion als Alumni) eine offizielle Einladung zur Abschlussveranstaltung der anderen DAAD-Stipendiaten nächste Woche in Taipei bekomme. Normalerweise hätte ich da nix zu suchen, aber ich wurde ohnehin von den anderen gefragt, ob ich Lust hätte mitzukommen nach Taipei, und wenn ich ein Gratis-Abendessen mitnehmen kann werde ich mich sicher nicht dagegen wehren.

Zum anderen erreichte mich heute die gute Kunde, dass voraussichtlich in 6 bis 8 Wochen ein landesweites Fußballturnier ansteht (der genaue Termin wird noch verhandelt), und da wäre mein Club, Tainan Phoenix, natürlich dabei. Unser Kapitän/Trainer/Manager Eric (alles in Personalunion) hat dies gerne zum Anlass genommen, uns noch eine kleine Motivationsspritze mit auf den Weg zu geben, frei übersetzt:

"Lang lebe Tainan Phoenix FC - seid stolz, Teil der hervorragendsten Gruppe von Spielern und Geistern auf dieser Insel zu sein."

Dem ist, denke ich, nichts hinzuzufügen ;)

Sonntag, 14. September 2008

Zuhause ist es doch am... sichersten

Die Taifunwarnungen haben sich als äußerst berechtigt erwiesen, am Wochenende ging hier eigentlich gar nix... erfreulich immerhin, dass die Berichterstattung endlich auch mal die deutschen Medien erreicht hat. Ich persönlich kann aber Entwarnung geben, meine Wohnung steht noch und ich bin wohlauf :) Allerdings fände ich es schon nicht verkehrt, wenn das Wetter mal besser wird, schließlich regnet es schon seit Stunden wie aus Eimern (keine Übertreibung, wirklich WIE AUS EIMERN), und das drückt schon ein wenig aufs Gemüt. Ich hoffe mal, ich komme morgen wenigstens halbwegs unfallfrei und trocken zur Uni.

Positiv an der Situation ist immerhin, dass ich mich sehr ausführlich mit den Dingen beschäftigen kann, die in Deutschland so laufen, insbesondere natürlich mit der Mutter aller Derbies. Grüße und Glückwünsche an dieser Stelle an meinen Vater, der das Spiel mit MEINER Eintrittskarte im Stadion sehen konnte. Mir blieb nur der Weg übers Internet, aber damit muss man sich auch mal zufrieden geben...

Freitag, 12. September 2008

Noch mehr Gefahr!

Jetzt wird es wohl ernst: Nachdem die letzte Taifunwarnung mehr oder weniger ignoriert werden konnte, scheint es diesmal wirklich interessant zu werden, sagt zumindest das Central Weather Bureau. Die ersten Anzeichen sind jetzt schon zu spüren, der Wind zerrt gerade ganz gewaltig an meiner bescheidenen Dachwohnung, die bedrohlich-knarzende Geräusche von sich gibt. Dazu gibts natürlich auch Regen, und das nicht zu knapp, also stelle ich mich mal auf ein gemütliches Wochenende daheim ein :)

Trotz des schlechten Wetters habe ich mich heute aber auch zur Uni durchgeschlagen, um an einer kleinen, aber feinen Einführungsveranstaltung teilzunehmen. Der Erkenntnisgewinn war zwar gering (wie man hier richtig links abbiegt wusste ich schon), aber es gab Gratis-Essen! Und haufenweise Leute aus aller Herren Länder, die sich allerdings relativ fix wieder in alle Richtungen davon machten. Ist wohl auch vernünftiger, zuhause zu sein, bevor hier gar nix mehr geht...

Ach ja, bei der Gelegenheit hab ich auch schonmal mein Lehrbuch fürs kommende Semester gekauft. Vielleicht ist der Taifun ja genau das Richtige, um da schonmal reinzuschauen... aber wahrscheinlich eher nicht. Tendenziell habe ich vor, meine Ferien bis zur letzten Sekunde auszudehnen ;)

Montag, 8. September 2008

Gefahr!

Zunächst mal, um die Eindrücke vom Wochenende ein bisschen besser rüberzubringen, ein paar kleine Videos, die mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.

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War natürlich nicht wirklich gefährlich :)

Ansonsten nähert sich der Ernst des Lebens unaufhaltsam, die Stundenpläne fürs kommende Semester wurden veröffentlicht, und so wie es aussieht liegt meine Kernunterrichtszeit bei 13:00 - 15:00 jeden Tag. Das ist zwar nicht ganz nach meinem Geschmack, weil es irgendwie blöd den Tag durchschneidet, aber ich habe ja zum Glück noch meine Wahlpflichtkurse, mit denen ich auch die Vormittage hoffentlich sinnvoll füllen werde. Nächste Woche ist dazu erstmal so eine Art "Probelauf" angesagt, wo man alle potenziell (oder potentiell?) interessanten Kurse mal ausprobieren kann um sich danach endgültig festzulegen. Das heißt natürlich, dass ich ab nächster Woche mächtig beschäftigt sein werde, aber nach all dem Quasi-Urlaub ist das wahrscheinlich genau das Richtige ;)

Ach ja, übrigens: Ich war heute nochmal bei der Bank, um meine Karte für den Automaten abzuholen, und das abgebildete Wesen (siehe meinen früheren Eintrag) ist aller Wahrscheinlichkeit nach NICHT Yoshi, auch wenn die Ähnlichkeit frappierend ist...

Check!

Wie bereits letzte Woche angekündigt startete ich am Freitag zum offiziellen "Orientierungstreffen" des DAAD in Taipei, und konnte mich gleich mehrfach wundern. Zum einen war ich der Erste, der auftauchte, obwohl ich mit Abstand die längste Anreise hatte, alle anderen kamen zu spät... naja. Zum anderen war das Treffen mit Tee und Kuchen etc. ja ganz nett und unterhaltsam, aber der Informationsgewinn war im Wesentlichen auf das Verteilen von Visitenkarten beschränkt, mit den Worten "schauen Sie mal auf unsere Website". Wenn ich alleine dafür nach Taipei gereist wäre, wäre ich mir schon ein bisschen verschaukelt vorgekommen, aber zum Glück hatte ich noch andere Pläne.

Ursprünglich wollte ich mich ja noch etwas in der Stadt umsehen, aber am Freitagmorgen wurde spontan die Einladung ausgesprochen, mich einem Teil der Summer Institute-Leute bei ihrem Wochenend-Trip anzuschließen, so dass ich letztlich direkt nach dem DAAD-Treffen wieder in den Zug stieg, diesmal in Richtung Hualien an der Ostküste. Die komplette Reisegruppe bestand dann aus meiner Wenigkeit, vier reizenden Damen (Gaby, Marielies, Anett, Jana) und Nico, der nach eigener Aussage heilfroh war, doch nicht der einzige Mann in der Runde zu sein ;)

Am Samstag gings dann zeitig los zum Rollerverleih, fast wie in den guten, alten Zeiten. Da ich neben Nico der Einzige mit zumindest ein bisschen Rollererfahrung war, wurde ich natürlich zu einem der Fahrer bestimmt, anscheinend war die Angst vorm Selberfahren bei Teilen der Gruppe noch größer als die Angst vor meinem Fahrkünsten :D



Nach der Verteilung der Verantwortung gings dann direkt weiter zur Taroko-Schlucht. Denjenigen, die das Glück haben schon dort gewesen zu sein, muss ich an dieser Stelle gar nicht mehr viel erzählen. Allen anderen sei gesagt, dass Taroko die vielleicht spektakulärste Touristenattraktion in Taiwan überhaupt ist, und da ich letztes Mal leider keine Gelegenheit dazu hatte hinzufahren war ich ob dieser unerwarteten Fügung natürlich umso glücklicher. Das Rollerfahren auf der schmalen, kurvenreichen und von Tunneln gespickten Strecke durch die Schlucht war zwar nicht ganz trivial, aber im Endeffekt hat man sowieso alle paar Minuten angehalten, um Fotos zu machen oder einen der Hiking-Trails auf dem Weg in Angriff zu nehmen... aber genug der Vorrede, lasst Bilder sprechen.



















Diese Pagode da oben, kann man da auch drauf?



Klar kann man!





Das ist die Ansicht von oben, die winzigen Objekte in der Bildmitte sind die geparkten Roller :)



Auf der anderen Seite gabs dann noch einen schnieken Tempel zu bewundern, obwohl das Bergpanorama natürlich schon ein bisschen eindrucksvoller war.





Fast am Ende des letzten Trails des Tages gabs dann noch eine hübsche Hängebrücke mitsamt Wasserfall...





...und ganz am Ende diesen mysteriösen Eingang. Wie sich herausstellte fließt der Wasserfall hier quasi durch die stockfinstere Höhle, was erklärte wieso alle Leute ihren Regenschutz anlegten vor dem Eintreten. Hab ich natürlich nicht gemacht, so dass ich zu einer Gratis-Blind-Dusche in eiskaltem Wasser kam. Erfrischend.



Die Dusche hätte ich mir aber auch sparen können, denn auf der Rückfahrt nach Hualien setzte sintflutartiger Regen ein, was dem Rollerfahren in der Schlucht nochmal einen ganz anderen Schwierigkeitsgrad verlieh. Aber hey, alle habens unfallfrei überstanden, und der Ausflug war auf jeden Fall die Sache wert. Dummerweise ging dann der größte Teil des Sonntags für die Rückfahrt drauf, so dass ich außer Taroko nicht viel von der Ostküste gesehen hab, aber ich hab ja noch ein bisschen Zeit hier. Und es bleibt festzuhalten, dass fürs Taiwan Summer Institute Program (abgesehen von mir natürlich) immer äußerst vorzügliche Charaktere ausgewählt werden, ich wurde sehr freundlich aufgenommen und hab mich köstlich amüsiert. Danke dafür nochmal!

Was bleibt noch zu sagen? Zum einen ist das natürlich nur eine kleine Auswahl von Bildern, mehr gibts beim Klick auf ein beliebiges Bild oder direkt unter dieser Adresse. Außerdem gibt es auch Neues von Studium und Co. zu berichten, aber darüber morgen mehr, ich will diesen sehr urlaubslastigen Eintrag nicht mit Bürokratie verderben ;)

Mittwoch, 3. September 2008

Champions League-Atmosphäre...

...war es nicht ganz, bei ungefähr 3 Zuschauern am Spielfeldrand, aber Flutlicht sorgt doch für einen zusätzlichen Motivationsschub. Dazu gabs heute tagsüber Regen, der sich rechtzeitig zum Anstoß verzogen hatte. Ergebnis: Ein (für hiesige Verhältnisse) perfekt bespielbarer Platz, dazu war die Luft einen Tick weniger erdrückend als sonst, so dass die Kräfte diesmal bis zum Ende gereicht haben... herrlich. So kanns gerne weitergehen, dann komm ich vielleicht nicht unbedingt als Chinesisch-Experte, dafür aber topfit zurück ;)

Ein Kessel Buntes

Einiges mehr oder weniger Interessantes gibt es zu berichten, deswegen heute mal eine recht unstrukturierte Ansammlung von Geschichten und Gedanken, ich bitte um Nachsicht.

Zunächst mal habe ich den Dienstag in aller Seelenruhe und tiefenentspannt hinter mich gebracht, u.a. am Strand, was so auch genau in meinem Sinne war. Danke aber an alle, die sich auf dem einen oder anderen Wege (oder gleich auf mehreren Wegen) bei mir gemeldet haben, ich weiß es zu schätzen :)

Unabhängig davon hab ich am Dienstag auch erfahren, dass mein erster Wochenend-Trip ins Haus steht, wenn auch ein nicht ganz freiwilliger. Am Freitag lädt der DAAD nach Taipei zum "Kennenlern-Treffen" ins Teehaus, was für die anderen Stipendiaten ganz praktisch ist (weil die alle in Taipei sitzen), aber ich werde dann mal schauen müssen, wie ich hinkomme und was ich bei der Gelegenheit da sonst noch so treiben kann. Zumindest ist das die perfekte Gelegenheit, mal wieder im coolsten Hostel der Welt abzusteigen, dem weltberühmten Taiwanmex :D

Da hab ich dann auch gleich mal online gebucht, wobei ich feststellen durfte, dass meine deutsche Kreditkarte gesperrt wurde, was natürlich enorm praktisch ist. Als Begründung wurde u.a. angeführt, dass es "verdächtige Transaktionen" gab, wobei verdächtig wohl so definiert wird, dass die Karte in Taiwan benutzt wurde. Inzwischen hab ich das aber mit meiner Bank geklärt, demnächst wird es dann hoffentlich keine Irritationen mehr geben. Ich hätte es aber ganz dufte gefunden, wenn die mich zumindest gefragt bzw. in Kenntnis gesetzt hätten bevor die mir so an den finanziellen Karren fahren... naja. Dann bezahl ich halt mit Bargeld, das ist ja allgemein eher unverfänglich.

Heute war ich dann wieder enorm fleißig. Zunächst habe ich mal meine Alien Resident Card in Empfang genommen, d.h. ich bin jetzt aus bürokratischer Sicht endlich angekommen. Wobei, auch nicht ganz. Wie man unschwer erkennen kann ist auf der Karte noch die Adresse des Wohnheims vermerkt, da ich aber inzwischen umgezogen bin hab ich direkt mal eine Änderungsmeldung gemacht, so dass ich dann in 2 Wochen die aktuelle und korrigierte Version kriege.



Zum Eröffnen eines Kontos hat aber auch die "falsche" ARC gereicht. Das Problem an dieser Stelle war vielmehr (neben dem endlosen Papierkrieg) die Tatsache, dass ich keinen chinesischen Namen habe, ohne den hier bei der Bank offenbar gar nix geht. Nach einigen Diskussionen wurde ich dann an Ort und Stelle von einer äußerst freundlichen und hilfsbereiten Dame getauft, so dass ich nunmehr auf den stolzen Namen

馬杜克

höre, ausgesprochen "ma du ke". Welche Töne das genau sind muss ich selbst nochmal nachschauen, ebenso die Bedeutung der beiden letzten Zeichen. Das erste heißt "Pferd", soviel weiß ich schon mal. Aber es ging auch in erster Linie darum, dass es zumindest entfernt nach meinem Namen klingt, und dass die Zeichen nicht zu schwierig sind. Bis ich die gelernt habe (und sicher auch danach) benutze ich aber den tollen Namensstempel, den ich mir hab anfertigen lassen, da macht unterschreiben doch gleich doppelt Spaß :) Zuerst habe ich mal den Antrag für die Kontoeröffnung unterschrieben, und jetzt hab ich hier auch Bankleitzahl und Kontonummer. Welcher der beiden Nummern welche Bedeutung zukommt hat mir der kleine grüne Kerl zwar nicht verraten, aber das finde ich auch noch raus.

Montag, 1. September 2008

Beschäftigt mit Nichtstun

Eigentlich hab ich im Moment nicht viel zu tun, trotzdem bin ich irgendwie konstant unterwegs, aber jetzt wo ich mal ein bisschen Zeit habe (endlich Montag!) will ich mal die Ereignisse der letzten Tage aufarbeiten.

Zunächst mal habe ich am Freitag meinen Laborchinesen vom Praktikum damals endlich den überfälligen Besuch abgestattet. Wie erwartet waren die meisten Masterstudenten die ich kannte schon weg (verständlich nach 2 Jahren), aber die Doktoranden haben mir einen äußerst herzlichen Empfang bereitet und mich zum Frühstück und später auch noch zum Mittagessen eingeladen. Das war noch im erwarteten Rahmen, aber darüberhinaus wurde mich noch mein alter Platz im Labor angeboten um (falls ich Lust und Zeit habe) ein bisschen zu Forschen und an Papers mitzuarbeiten. Das werde ich mir aber schwer überlegen, schließlich ist es da dank Klimaanlage auf voller Kraft immer noch so kalt wie früher ;)

Zum Abendessen habe ich dann auch Max (den verwirrten Australier) wiedergetroffen. Er ist inzwischen auch irgendwo untergekommen, d.h. ich muss ihn kein Obdach bieten, aber angesichts der erwarteten Schwemme von Studenten auf Wohnungssuche in den nächsten Wochen werde ich mal die Augen offen halten, ob ich nicht jemandem was Gutes tun kann (und dabei ganz eigennützig auch etwas Miete spare...). Da ich ja innerhalb der nächsten paar Wochen keinen Besuch erwarte (wenn doch, bitte Bescheid sagen) sollte das kein großes Problem sein.

Am Samstag habe ich mich dann mal einigen der deutschen Praktikanten (besser gesagt Praktikantinnen, da ausschließlich Damen) angeschlossen, um Tainan und insbesondere den geschichtsträchtigen Anping-Bezirk in Augenschein zu nehmen, aber dank bestem Wetter hatte der nahegelegene Strand doch seinen ganz eigenen Reiz, weswegen das Sightseeing nicht wirklich ergiebig war und stattdessen mehr in der Sonne rumgebummelt wurde :) Abends ging es dann noch auf den Nachtmarkt, das war wie immer interessant für alle Sinne, aber (weil Samstag) auch mächtig überfüllt. Das anschließende Taiwan-Beer in ruhigerer Runde war da schon entspannender :D

Sonntag dann konnte ich endlich das Ergebnis meiner mühevollen Recherchen bewundern, denn letzlich habe ich eine Zeit und eine Adresse herausbekommen und in der Tat hat mein Informant mich nicht enttäuscht: Ja, man kann in Tainan Fußball spielen, und das sogar ganz gut. Tatsächlich bin ich nunmehr Teil des stolzen Tainan Phoenix Football Club, in dem junge (und junggebliebene) Menschen aus aller Welt ihrem Lieblingssport frönen. Vertreten sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) Spieler aus England, Portugal, Österreich, Tschechien, Nigeria, Japan, USA, Kanada, Guatemala, Costa Rica, und sicher noch einigen Ländern, die ich jetzt vergessen habe. Ein äußerst lustiger Haufen, weniger lustig war zunächst mal, dass um 15:00 gespielt wurde, was angesichts des Klimas und meines ohnehin nicht überragenden Fitnesszustandes doch extrem an die Substanz ging. Außerdem lag mein letztes Spiel mit 11 gegen 11 auf dem großen Platz schon etwas zurück, so weite Wege bin ich gar nicht mehr gewohnt ;) Aber zum einen wurde mir versichert, dass man sich nach ein paar Wochen halbwegs dran gewöhnt, zum anderen wird mittwochs erst um 21:00 gespielt, und zwar unter Flutlicht. Darauf bin ich schonmal äußerst gespannt.

Ansonsten bin ich aber nicht nur im Auftrag der Freizeit unterwegs, heute war ich z.B. auch mal wieder an der Uni, und jetzt hab ich es auch Schwarz auf Weiß: Ich bin wieder Student! So langsam fügen sich die Puzzleteile zusammen, über weitere verwaltungstechnische Erfolgserlebnisse werde ich natürlich wieder berichten.