Samstag, 27. Dezember 2008

Geschichten von der Ostküste, Teil 2

Eine fiese Erkältung zwingt mich heute zu weitgehender Inaktivität (wie hab ich das eigentlich hingekriegt bei 30 Grad und Sonnenschein?), trotzdem will ich, bevor ich wieder dazu übergehe, im Halbschlaf vor mich hin zu dösen und heißen Tee zu trinken, zumindest mein Versprechen einlösen und von weiteren Abenteuern berichten.

Zunächst mal sei aber der Vollständigkeit halber erwähnt, dass ich bzw. wir den ersten Termin an der Uni, die Einführungs-Teeparty, ohne größere Schäden überstanden haben. Das einzig Ärgerliche war, dass ich vor lauter Gequatsche mit alten Bekannten so gut wie gar nichts vom Gratis-Essen abbekommen habe... naja. Leicht irritiert war ich darüberhinaus von der Größe meiner Klasse, die anscheinend aus nur noch sechs Leuten besteht, da muss ich irgendwann mal klären, wo die alle hin sind.

Nun aber zum eigentlichen Thema, der Ostküstentour. Nachdem wir in Fu Long halbwegs ausgeschlafen hatten, fassten wir den Beschluss, einen schönen Wanderweg in Angriff zu nehmen, den Cornelia (im Gegensatz zu mir) 2006 schon gelaufen war. Um der Sache aber mehr Spannung zu verleihen, wählten wir einen anderen Ausgangspunkt, also ging es erstmal mit dem Zug nach Gong Liao, wo der Trail auch noch ordentlich ausgeschildert war, und dazu ganz ansehnlich, wie wir bei den zahlreichen Pausen (hitzebedingt) bewundern konnten.



Irgendwann kamen wir jedoch an eine verhängnisvolle Kreuzung, an der links der Wanderweg weitergehen sollte, rechts jedoch sollte der Weg nach Nei Liao führen, jenem Ort der auf der Karte ganz klar als nächstes Ziel ausgewiesen war. Also nach rechts, und wir waren frohen Mutes ein weiteres Schild mit der Richtungsangabe "Nei Liao" zu finden, dies führte jedoch nur zu einem Mann und seinen drei Hunden, die einsam im Wald leben. Der konnte darüberhinaus auch kein richtiges Chinesisch, sondern nur Taiwanesisch oder einen fiesen Ostküstendialekt, konnten wir nicht so ganz ausmachen. Wenig hilfreich insgesamt, also gingen wir zurück und stellten bei näherem Studium des Schilds fest, dass es da nur zu einem Vorort (oder so ähnlich) von Nei Liao ging. Also der anderen Straße gefolgt, dies sollte jedoch auch nicht erfolgversprechender sein, denn irgendwann endete die gut ausgebaute, markierte, beschilderte Straße... im Nichts. Aus. Ende. Nur noch Bäume, und ein alter Mann in seinem Häuschen, der zu unserem unfassbaren Glück gerade eine Gaslieferung bekam.



Der Gasmann konnte nämlich Chinesisch, und auf unsere Frage wo auf der Karte wir uns befänden deutete er auf einen Punkt weit, weit weg vom angepeilten Wanderweg. Ich glaube aber nicht, dass wir uns verlaufen haben, ich glaube vielmehr, dass Nei Liao einfach nicht existiert (vgl. Bielefeld).

Da der Gasmann aber typischer Taiwanese war, lösten sich in diesem Moment unsere Probleme dennoch in Wohlgefallen auf, denn natürlich bot er uns an uns zurück in die Zivilisation zu fahren, was wir dankend annahmen.



Nach der recht flotten und dennoch langen Fahrt (ich denke, wir habem weit über zehn Kilometer gemacht auf unserer Wanderung) wurden wir dann bis zum ursprünglich angepeilten Trail gebracht, den wir dann, Ehrensache, auch noch fertig liefen. Da gab es auch noch einiges zu sehen, z.B. diesen dicken Stein mit Inschrift, des sich für Gruppenfotos geradezu aufdrängt...



...dennoch wussten wir uns ein bisschen ranhalten, um vor Einbruch der Dunkelheit zumindest den Gipfel zu erreichen. Das haben wir dann auch gerade so geschafft, und zum ersten Mal auf der Ostküstentour gab es den Pazifik zu sehen, in seiner ganzen Pracht.



Der Abstieg Richtung Da Li (der Ort im Bild oben) dauerte in der Dunkelheit dann auch noch eine ganze Weile, aber zumindest war der Weg diesmal sehr übersichtlich, und dazu flankiert von Glühwürmchen. Hübsch.

Weil in Da Li dann aber mal so gar nix los war, sind wir mit dem Zug weitergefahren nach Yi Lan, wo wir uns zum einen endlich mal Rote-Bohnen-Schredder-Eis gegönnt haben, und wo sich zum anderen die epische Schlacht zwischen Mücken und Menschen abspielen sollte. Mit diesem genialen Cliffhanger verabschiede ich mich, bis zu den nächsten Geschichten von der Ostküste...

1 Kommentare:

Anonymous Patrick meinte...

Yo yo yo, East Coast to West Coast, Brotha!
Hätte ich nicht vor kurzem das erste Mal von Schnitzeleis gehört, würde mich der bloße Gedanke an Rote-Bohnen-Schredder-Eis wahrscheinlich verstören ;-)

27. Dezember 2008 16:25  

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