Donnerstag, 25. Dezember 2008

Geschichten von der Ostküste, Teil 1

Frohe Weihnachten an all meine treuen Leser, und auch an all die weniger treuen... ich kann verstehen, wenn einige zwischendurch schlappmachen, ich habe schon wieder sehr lange nichts geschrieben, aber ich habe auch meine Gründe dafür, also der Reihe nach.

Zunächst mal: Weihnachten bzw. Heiligabend ist sehr erfreulich verlaufen, vor allem was die Geschenke angeht... ich habe ein riesiges Paket von meiner Familie bekommen, mit mehr Süßkram als ich essen kann und einigen anderen feinen Sachen, tausend Dank! Das Paket kam übrigens schon vor ein paar Tagen, wurde aber von meinem Vermieter angenommen und in weihnachtlich-perfektem Timing pünktlich zur Bescherungs-Videokonferenz mit meiner Familie vorbeigebracht (Ho Ho Ho), danke auch dafür! Von Cornelia bekam ich darüberhinaus richtiges, DEUTSCHES Bier (danke, es war köstlich), aber das beste Geschenk war ein anderes... Eine bestimmte Person (die an dieser Stelle weiß, dass sie gemeint ist) hat mir gesagt, dass mein Anruf zu Weihnachten das schönste Weihnachtsgeschenk für sie war, und das war widerum für mich das schönste... alles klar? Ich denke schon.

Abgesehen von Weihnachten hat sich übrigens auch noch anderes zugetragen am 24., und zwar wurden die Stundenpläne fürs neue Semester veröffentlicht. Für mich ändert sich erstmal wenig (gleiche Kernunterrichtszeit, gleiche Klasse, gleiche Lehrerin), nur die Wahlpflichtkurse werden neu ausgewürfelt, aber das muss ich mir die Tage mal in Ruhe anschauen. Cornelia wurde nach ihrem Einstufungstest übrigens aufs gleiche Niveau einsortiert wie ich, kommt aber (wenn es dabei bleibt) nicht in meine Klasse, sondern darf sich von 8:00 bis 10:00 mit Chinesisch vergnügen. Wäre aber gelacht, wenn wir nicht zumindest ein paar der Wahlpflichtsachen gemeinsam belegen können, schaun mer mal.

Nun aber, um dem Titel dieses Eintrags endlich Sinn zu geben, komme ich zu dem wovon ich eigentlich berichten wollte: Urlaub! Um genau zu sein, die Tour an die Ostküste, die Cornelia und ich in der letzten Woche unternommen haben. Da wir dabei so viel erlebt, gesehen, und photographiert haben, war die Wahl entweder einen extreeeeeem langen Eintrag zu machen, oder mehrere sehr lange. Die Wahl ist auf letzteres gefallen, weswegen ich in den nächsten Tagen weitere Berichte nachschieben werde, also dranbleiben!

Zunächst mal wurde am Mittwochabend der Zug in Richtung Hauptstadt, Tai Bei, bestiegen (Anmerkung: Ich versuche mal ab sofort die "offiziell" korrekte Umschrift für die Ortsnamen etc. zu benutzen, bitte nicht verwirren lassen), wo aber nicht wesentlich mehr gemacht wurde, als im besten Hostel der Welt einzuchecken, dem TaiwanMex. Warum ist es das Beste? Nun ja, z.B. sind die Duschen auf der Terrasse, d.h. man kann schon mal den morgendlichen Sonnenschein und den Ausblick genießen.




Nach dem Aufstehen ging es aber relativ zügig weiter nach Rui Fang, einem kleineren Ort östlich von Tai Bei, der uns als Ausgangspunkt für den weiteren Tag dienen sollte. Allerdings hätten wir schon skeptisch werden sollen, als uns die Dame vom örtlichen Saftstand eine kryptische Warnung mit auf den Weg gab, als wir ihr sagten, dass wir zum Wasserfall von Shi Fen wollten... haben wir leider dank (noch) mangelnder Sprachkenntnisse nicht verstanden.

In Shi Fen angekommen stellte sich dann heraus, wovor sie uns warnen wollte: Der erste, kleinere Wasserfall war noch problemlos zu erreichen...



...der Zugang zum eigentlichen Ziel (immerhin der breiteste Wasserfall Taiwans) war aber astrein mit Stacheldraht versperrt. Wie uns gesagt wurde, ist wegen Streitigkeiten zwischen Regierung und örtlicher Bevölkerung der Weg zum Wasserfall bis auf weiteres gesperrt, mehr als dieses schräge Bild durch die Absperrung war nicht drin. Doof.



Aber wir ließen uns natürlich nicht beirren und sind weitergefahren nach Jing Tong, wo wir erstmal Mittag gemacht haben. Lustigerweise wurde in der Nudelbude, wo wir gegessen haben, gerade eine Szene für einen Film gedreht, d.h. es könnte durchaus passieren, dass wir demnächst als Hintergrundgestalten in irgendeiner taiwanischen Fernsehproduktion auftauchen :D



Trotz unseres neuen Ruhms haben wir und aber aufgemacht in Richtung des nächsten Wanderwegs, der laut Reiseführer in zwei Stunden locker zu schaffen wäre und sogar einen Ausblick bis nach Tai Bei erlauben sollte. Das ließ sich anfangs noch locker angehen, doch irgendwann wurde der Weg immer steiler...



...und wir fanden schlammgefüllte Höhlen vor...



...und irgendwann ging es fast nur noch auf allen Vieren weiter, weil es so steil und unzugänglich war, und dann stießen wir auf so ziemlich das Ungewöhnlichste, was man erwarten konnte: Ein Motorrad lag einfach so da, fast auf dem Gipfel. Angesichts der Beschaffenheit des Weges gibt es keine auch nur annähernd logische Erklärung, wie es da hingekommen sein könnte, denn selbst wenn ein Taiwanese so verrückt gewesen wäre eine Fahrt nach oben zu versuchen, es wäre einfach physikalisch UNMÖGLICH. Wir haben uns dann darauf verständigt, dass das Ding wahrscheinlich mit einem Hubschrauber transportiert wurde und dort abgestürzt sein muss.



Aber wir waren dann ja auch oben und wurden für unsere Mühen mit einem tollen Ausblick belohnt.



Trotzdem war zu diesem Zeitpunkt schon etwas Druck da, zumindest vor Sonnenuntergang aus dem Wald rauszukommen, also ging es immer weiter, auf einem Weg der gefühlt immer noch mehr bergauf auf bergab ging, bis wir schließlich gerade noch rechtzeitig eine Straße erreichten.



Ein flugs angehaltener Motorradfahrer wurde dann gefragt, auf welchem Weg wir zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung kämen, und trotz seiner Warnung, dass es sehr weit wäre (zumindest glauben wir, dass er das gesagt hat) machten wir uns in einbrechender Dunkelheit auf den Weg entlang der Straße ins Tal. Dieser Weg stellte sich aber als nahezu endlos heraus, und als es schon lange finster war und die Hoffnung schwand, nochmal Menschen zu begegnen, stießen wir tatsächlich auf einen Ort: Ping Xi. Die Freude war groß, denn wir wussten, dass der Zug, den wir eigentlich nehmen wollten auch hier hielt (wir hatten quasi zu Fuß eine Haltestelle übersprungen), und wir fragten auch gleich die örtliche Bevölkerung nach dem Bahnhof. Doch wir bekamen nicht nur Antwort auf diese Frage, nein, der Abend wendete sich vollständig zum Guten, denn im Ort war gerade so eine Art Dorffest angesagt, auf dem die Ausländer, die aus der Dunkelheit kamen, flugs zu Ehrengästen erklärt wurden. So gab es Speis und Trank umsonst und soviel wir wollten...



...und wir durften danach sogar noch eine Himmelslaterne steigen lassen, so eine Art Ballon, versehen mit guten Wünschen an die Götter. Diese Laternen haben in der Region eine lange Tradition, und wir haben auf unserer natürlich den Dorfbewohnern alles Gute gewünscht, die uns an diesem Abend mit ihrer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit schwer in Verlegenheit gebracht haben. Wieder ein Grund mehr, dieses Land und seine Bewohner zu lieben.





Danach haben wir uns aber tatsächlich auf den Weg gemacht nach Fu Long, dem nächsten Etappenziel, wo wir recht bald das Hotelbett aufsuchten. Es war ein aufregender Tag, und es sollte nicht der einzige bleiben, aber für heute ist erstmal genug erzählt. Der nächste Eintrag wird die Geschichten von der Ostküste fortführen...

1 Kommentare:

Anonymous Patrick meinte...

Ho ho ho!
Frohes Fest auch meinerseits!

27. Dezember 2008 00:16  

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