Freitag, 24. Oktober 2008

Mögest du in interessanten Zeiten leben

Zunächst mal muss ich um Entschuldigung bitten, die Zeit in der ich nichts von mir habe hören lassen ist inzwischen schon unanständig lang. Nichtsdestotrotz gibt es dafür gute Gründe, und an dieser Stelle schicke ich auch eine Warnung vorweg: Dieser Eintrag wird erstens ziemlich länglich, zweitens (teilweise) etwas persönlicher als die vorherigen. Sensible Naturen mögen das verzeihen, aber das muss jetzt einfach mal sein.

Frei von der Leber weg: Der Grund, warum ich wenig auf die Reihe kriege derzeit, ist ein bestimmter Mensch (okay, okay, eine bestimmte FRAU, ist ja gut). Im Wesentlichen verbringen wir in den letzten zwei Wochen jede freie Minute zusammen, und während so manch einer jetzt ausrufen mag "Ich habs dir ja gleich gesagt, dass du dir da eine abschleppst!" möchte ich auf jeden Fall festhalten, dass die Sache wesentlich komplizierter und vielschichtiger ist, als ich sie hier darstellen könnte. Wie wir beide treffend festgestellt haben, reicht das, was wir in zwei Wochen an Höhen und Tiefen erlebt haben, anderen Leuten für zwei Jahre, aber diese Geschichten werden an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit erzählt werden. Wir haben uns klargemacht, dass wir keine feste Beziehung führen möchten, aber im Moment ist es gut, so wie es ist, ich würde es gar nicht anders wollen. Denn wenn man jemanden trifft, der einem dermaßen den Spiegel vorhält, und dem man selber den Spiegel vorhalten darf, dann sollte man das genießen und zu schätzen wissen, solange es dauert.

Puh, hat doch gar nicht weh getan. Nachdem ich jetzt mein Innerstes offenbart habe (was ich viel öfter tun sollte, übrigens), komme ich jetzt mal wieder zu etwas bodenständigeren Dingen zurück.

Studieren tue ich auch noch, soviel Pflichtbewusstsein habe ich dann doch, und heute stand die große Zwischenprüfung auf dem Programm. Abgesehen von meiner immer noch katastrophalen Aussprache ist es auch ganz gut gelaufen denke ich, Ergebnisse gibt es wohl nächste Woche, aber ich bin wie immer zuversichtlich. Das Stipendium ist inzwischen auch da, wo es hingehört (erst auf meinem Konto, dann in den Kassen der örtlichen Fressbuden), und weil ich dem charmanten Bitten meiner Lieblingssekretärin erlegen bin kommt noch ein besonderes Highlight auf mich zu: Zusammen mit ein paar anderen "Freiwilligen" darf ich das Sprachzentrum beim Uni-Sport-Tag (11.11.) repräsentieren. Keine Ahnung, wie das ablaufen wird, aber hey, ich kriege dafür ein Gratis-T-Shirt! Wenn das mal keine Motivation ist.

Wo ich schon beim Thema Sport bin, mache ich da direkt weiter: Zu meiner eigenen Überraschung mache ich mich bei meinem bescheidenen Unterfangen, hier ein bisschen Fußball zu spielen, gar nicht so schlecht. Inzwischen habe ich mich als ernsthafte Alternative auf der linken Verteidigerposition(!) etabliert, wobei vor allem meine Laufstärke(!!) gelobt wird, vor ein paar Wochen sah das konditionsbedingt noch ein bisschen anders aus. Jedenfalls stand ich bei den letzten zwei Partien in der Startelf, und nicht ohne Stolz stelle ich fest, dass es beim Auswärtsspiel in Yongkang letztes Wochenende zum Zeitpunkt meiner Auswechslung 2:0 für uns stand. Endstand: 3:3.

Noch mehr Neuigkeiten (ich weiß, es ist viel, sorry): Der DAAD hat mir wie aus heiterem Himmel die Gelegenheit eröffnet, im März nächsten Jahres evtl. auf eine Forschungskonferenz in Macau bzw. Hongkong zu fahren, wo ich meine Masterarbeit und den Kram, den ich inoffiziell schon für meine Doktorarbeit mache, vorstellen könnte. Ich muss zwar abwarten, ob das von mir eingereichte Gedöns angenommen wird, aber versuchen kann mans ja. Ich wäre jedenfalls nicht abgeneigt.

Und nun, als kleine Belohnung für all jene, die sich durch den endlosen Text gekämpft haben: Bilder! Ok, es ist zwar nur meine Aussicht bei Nacht, aber immerhin.





Wie komme ich da jetzt drauf? Nun, wie sich herausgestellt hat ist mein Dach von Temperatur und Atmosphäre her genau das richtige fürs abendliche Tai Chi. Das mache ich, wie man sich denken kann, natürlich nicht alleine, womit wieder der Bogen zum Anfang dieses Eintrags gespannt ist. Es sind wahrlich interessante Zeiten.